Der Gestalter Henry van de Velde

Henry van de Velde – Ausklang des Jugendstils, Protagonist der Moderne, Wegbereiter des Bauhauses und Kämpfer für einen neuen Stil

Henry van de Velde (1863 - 1957) gehörte am Anfang des 20. Jahrhunderts zu den herausragenden Gestalten des europäischen Kunstgeschehens. Ausgesprochen vielseitig talentiert, prägte er als Maler, Gestalter, Kunsttheoretiker und Reformer maßgeblich die Ausformung der Spätphase des Jugendstils in Deutschland und gilt als Wegbereiter für die Ideen des Bauhauses. Mit seinem künstlerischen Credo „Die Linie ist eine Kraft“ kämpfte er für die Überwindung des rein Dekorativen und Ornamentalen und für einen neuen Stil, der die überkommenen Formen des Historismus ablösen sollte. Sein ehrgeiziges und ein langes Leben lang vehement verfolgtes Ziel war es, mit einer Einheit von funktionalem und künstlerisch-ästhetischem Anspruch einen neuen Lebens- und Gestaltungsstil zu kreieren und damit eine Reform aller Lebensbereiche zu erreichen.

Bei seinen "Entwürfen für das Leben" ging er von der Idee eines Gesamtkunstwerkes aus, eine Vision, die Walter Gropius (1883 - 1969) insbesondere bei seinem Bauhaus-Konzept in Dessau konsequent wieder aufgriff.

Entwurf und Bau der Villa Esche in Chemnitz waren van de Veldes erstes architektonisches Auftragswerk in Deutschland. Die geradlinige und funktionale Gestaltung dokumentiert seine rationale Auffassung des Jugendstils. Der Entwurf van de Veldes umfasste alle Bereiche des Wohnumfeldes der Familie: von Fassade und Raumanordnung über Wandgestaltung, Wandbespannung, Türen, Fenster, Lampen und Teppiche, Mobiliar, Porzellan, Silber, Brieföffner und Reisedecke im Auto – bis hin zu Kleidern und Schmuck für die Dame des Hauses. Darüber hinaus bezog der Belgier den großzügig angelegten Garten funktionell und gestalterisch in das Gesamtkonzept des Hauses ein. Mit der Villa Esche entstand auf diese Weise und nahezu unbeeinflusst von Wünschen und Vorstellungen der Bauherren ein außergewöhnlich authentisches Zeugnis der Architekturauffassung Henry van de Veldes, das aufwändig und sensibel restauriert diese auch heute sehr anschaulich zu vermitteln vermag.

1957 verstarb van de Velde 94-jährig in Zürich. Kurz zuvor war ihm die Ehrensenatorenwürde der heutigen Bauhaus-Universität in Weimar verliehen worden.

 

Kurzbiografie Henry van de Velde