Die Bauherren

Die Familie Esche - Kunstsinn und erfolgreiches Unternehmertum

Herbert Eugen Esche (1874 - 1962) entstammte einer angesehenen Textilfabrikantenfamilie, deren Wurzeln im nahegelegenen Limbach bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Seinem Urahn Johann Esche (1682 - 1752) gebührt der Verdienst, mit der Konstruktion des ersten funktionstüchtigen Strumpfwirkstuhls in Deutschland den Grundstein für eines der erfolgreichsten Unternehmen der sächsischen Textilindustrie sowie für DAS führende Unternehmen der Strumpffabrikation in Deutschland gelegt zu haben.

Herbert Esche war Mitinhaber der Firma Moritz Samuel Esche, die nach ihrer Gründung in Limbach ab 1870 in Chemnitz tätig war und zur größten Strumpffabrikation Deutschlands mit Dependancen von Boston bis Shanghai expandierte. Das internationale Ansehen des Unternehmens dokumentierte u.a. bereits die Berufung seines Großonkels Theodor Esche als Juror der Weltausstellungen in Paris und in London.

Aber auch das Engagement der weitläufigen Familie Esche in künstlerischem, öffentlichem und sozialem Interesse hinterließ vielfältige Spuren. Eine Vielzahl von Stiftungen ging auf die weitverzweigte Familie Esche in Limbach und Chemnitz zurück. Mehrere Familienmitglieder folgten zudem Herbert und Hanni Esches Beispiel und umgaben sich in ihrem persönlichen Umfeld mit Entwürfen des großen belgischen Gestalters Henry van de Velde:

  • In Limbach erinnert noch heute die Anna-Esche-Straße an das Wirken der Gattin von Dr. Carl Julius Esche und Großmutter Herbert Esches.

  • Herberts Vater Eugen Moritz Esche war Mitglied des Sächsischen Landtages. Seine Stiftung bot langjährigen und verdienten Arbeitern der Firma Moritz Samuel Esche im Ruhestand angemessenen Wohnraum an der Chemnitzer Forststraße.

  • Herberts Bruder Fritz Esche engagierte sich nach dem Tod seines Vaters an dessen Stelle in der Chemnitzer Kunsthütte, später trat auch Herbert Esche selbst bei.

  • Fritz Esche beauftragte 1907 ebenfalls den belgischen Gestalter Henry van de Velde und ließ für den Chemnitzer Lawn-Tennis-Club C. L. T. C. ein modernes Clubhaus errichten. Die Einrichtung seiner Villa vertraute Fritz Esche Bruno Paul an.

  • Für Herbert Esches Schwager Dr. Theodor Koerner jr. entwarf van de Velde 1914 an der Chemnitzer Beyerstraße eine repräsentative Villa inkl. der kompletten Inneneinrichtung

  • Für Kommerzien- und Stadtrat Theodor Koerner sr., Inhaber der Tintenfabrik Eduard Leopold Beyer und Vater Hanni Esches, gestaltete van de Velde 1908 schräg gegenüber die zweistöckige Halle seiner im Neorenaissancestil gehaltenen Villa.

  • Herbert Esches Bruder Alfred Esche erwarb u. a. Silberarbeiten nach Entwürfen van de Veldes.

  • Bruder Arnold Esche hatte das Landgut der Familie Esche in Lauterbach nahe Crimmitschau geerbt und ließ 1907-1909 ebenfalls einige Räume von van de Velde umgestalten und modernisieren.

  • 1905 im Oktober weilte der norwegische Maler Edvard Munch auf Einladung Herbert Esches in der Villa Esche und portraitierte u.a. die Kinder Esche.

  • Gemälde von Paul Signac, Alfred Partikel, Vincent van Gogh, Lovis Corinth und Willy Jaeckel gehörten zur Sammlung von Herbert und Hanni Esche

Kurzbiografie H. E. Esche

Stammbaum