12.06.2018 - 19:00 Uhr

Vortrag

Steine, Bilder, Worte des Anstoßes

Kulturerbe und Kunstfreiheit unter dem Druck politischer Korrektheit

Immer häufiger werden Forderungen laut, historische Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, die aus heutiger Sicht politisch irritierend wirken. Immer wieder flammen in Deutschland Auseinandersetzungen um jahrhundertealte Darstellungen der sogenannten Judensau an Kirchen auf, die heute als Zeugnisse des mittelalterlichen Antisemitismus Anstoß erregen. Gleichzeitig findet eine sprachliche Bereinigung der Kinder- und Jugendliteratur statt, bei der historische Begriffe wie "Negerkönig", "Hottentottenhäuptling" oder "Eskimofrau" getilgt werden. Zunehmend gerät auch das Brauchtum in Bedrängnis. Es häufen sich Forderungen, die traditionelle Festkultur von Motiven zu säubern, die als beleidigend empfunden werden könnten, etwa vermeintlich ethnisch diskriminierender oder frauenfeindlicher Kleidung im Karneval. Über einige Auswüchse dieses Fundamentalismus kann man lachen. Fundamentalistisches Denken gefährdet aber, so die These des Vortrags, eine bedeutsame Errungenschaft des Humanismus, der Aufklärung und der nachfolgenden intellektuellen Emanzipationsbestrebungen: die Bereitschaft, Geschichtszeugnisse und Kulturleistungen auch dann zu respektieren, wenn sie nicht zu unserem Weltbild passen - eine Haltung, die stets auch durch totalitäre Regime bedroht ist.

Referent: Prof. Dr. Arnold Bartetzky, Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) an der Universität Leipzig

Eine Veranstaltung der Villa Esche/GGG und der Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen e. V.

Kartenreservierungen unter Tel. 0371 533-1088 oder per Anfrage über Ihre Merkliste

Preis: 10,00 € (ermäßigt: 5,00 €)

Zur Merkliste hinzufügen

Zurück zur Übersicht

Ihre Merkliste

Es liegen keine Veranstaltungen in Ihrer Merkliste.